NOVEMBER

vom Licht in die Dunkelheit

1. November 2025

Mit dem Ende des Oktobers und dem Übergang in den November verändert sich nicht nur das Außen, sondern auch die körperliche Grundspannung.

Das Licht nimmt ab, die Tage werden kürzer und unser Körper reagiert darauf.
Im Human Embodiment verstehen wir diese Phase als Zeit, in der das Nervensystem sensibler auf Reize reagiert und nach mehr Regulation, Struktur und Erdung verlangt.

Die Arbeit im Außen endet, Felder ruhen, und auch der Mensch ist eingeladen, langsamer zu werden, Bilanz zu ziehen und sich auf die dunklere Jahreszeit vorzubereiten.

Der November gilt in vielen alten Kulturen als Zeit der Schwelle, des Rückzugs und der Verbindung zu den Ahnen. Die Natur zieht sich sichtbar zurück, das Licht schwindet, und der Schleier zwischen der sichtbaren und der unsichtbaren Welt wird dünner.

Samhain markiert genau diesen Übergang: den Wechsel vom aktiven, nach außen gerichteten Halbjahr hin zu einer Phase der Integration, Innenschau und Regeneration. Der Körper beginnt, Energie zu bündeln, Prozesse abzuschließen und sich neu auszurichten.

In der Dunkelheit werden die Dinge nicht unsichtbar – sie werden wesentlich.

Gedenken, Umkehr und Licht im Dunkel

Gleich zu Beginn des Monats begeht die römisch-katholische Kirche am 1. November Allerheiligen, Gedenktag für alle Heiligen. Am 2. November, Allerseelen, richtet sich der Blick auf die Verstorbenen.

Am 11. November, der Martinstag, ein Fest zu Ehren des heiligen Martin von Tours. Gleichzeitig markiert der 11.11. um 11:11 Uhr den Beginn der neuen Karnevalssession – ein Kontrast zwischen stiller Gedenkzeit und ausgelassener Vorfreude, der die Vielschichtigkeit dieses Monats widerspiegelt.

Der Volkstrauertag, erinnert an die gefallenen deutschen Soldaten der beiden Weltkriege und mahnt zu Frieden und Erinnerung.

In der Mitte zwischen Volkstrauertag und Totensonntag liegt der Buß- und Bettag, ein Feiertag der evangelischen Kirche, der zur Umkehr, Besinnung und erneuten Hinwendung zu Gott einlädt.Am Totensonntag erinnert die evangelische Kirche an die Verstorbenen.

Um der zunehmenden Dunkelheit zu begegnen, pflege Feuer- und Lichtrituale. Sie symbolisieren Schutz, innere Wärme und die Erinnerung daran, dass das Licht auch im Dunkel vorhanden bleibt – ein Motiv, das sich bis heute in Kerzenritualen fortsetzt.

Samhain – das Tor zwischen den Welten

Samhain ist eines der ältesten überlieferten Jahreskreisfeste und markiert den Übergang vom hellen in das dunkle Halbjahr. Es galt nicht nur als Ende der Erntezeit, sondern auch als Neubeginn des Jahres – ein Moment außerhalb der linearen Zeit.

In der Nacht zu Samhain ist der Schleier zwischen den Welten besonders durchlässig. Die Grenzen zwischen Lebenden und Verstorbenen, Sichtbarem und Unsichtbarem, gelten als aufgehoben. Ahnen, Geistwesen und Seelen der Verstorbenen können den Menschen näherkommen.

Diese Nähe wird nicht gefürchtet, sondern respektvoll begrüßt.

Zentral für Samhain ist das Gedenken an die Ahnen. Man ehrt sie als Hüter von Wissen, Schutz und innerer Kraft. Die Verbindung zu den Vorfahren stärkt das Gefühl von Zugehörigkeit und Verwurzelung – über die eigene Lebensspanne hinaus.

Große Samhain-Feuer dienen der Reinigung und dem Schutz. Altes, Verbrauchtes wird symbolisch dem Feuer übergeben. Das Feuer steht für Transformation, für das Loslassen dessen, was nicht mit in den neuen Jahreszyklus genommen wird und für das Bewahren der inneren Wärme in der dunklen Zeit.

Masken und Verkleidungen haben eine rituelle Bedeutung. Es dient dazu, sich vor umherwandernden Geistern zu schützen oder selbst Teil der Zwischenwelt zu werden. Diese Bräuche bilden die Wurzeln heutiger Halloween-Traditionen, haben jedoch ihren Ursprung in tiefem Respekt vor den Kräften des Übergangs.

Samhain erinnert daran, dass Dunkelheit nicht Abwesenheit von Leben ist, sondern Raum für Wandlung, für Tiefe und für das Lauschen nach innen.

Verkörperter Übergang anstatt Symbolik

Aus Sicht des Human Embodiment ist Samhain kein rein spirituelles Konzept, sondern eine körperlich erfahrbare Zeitqualität. Die Idee des „dünnen Schleiers zwischen den Welten“ lässt sich als erhöhte Wahrnehmung verstehen: Der Zugang zu Erinnerungen, inneren Bildern und emotionalen Schichten ist oft leichter, weil äußere Reize abnehmen.

Die traditionelle Ahnenarbeit lässt sich dabei als Arbeit mit Prägungen, Herkunft und Bindungsmustern verstehen. Der Körper trägt diese Erfahrungen in sich – in Haltung, Atmung, Spannung und Bewegung. Samhain bietet einen strukturierten Rahmen, diese Ebenen bewusst wahrzunehmen, ohne sie zu bewerten oder verändern zu müssen.

Samhain-Embodiment

1. Verkörperte Ahnenwahrnehmung
  • Stelle dich aufrecht hin, Füße fest am Boden
  • Lege eine Hand auf den Brustraum, eine auf den Unterbauch
  • Spüre dein Gewicht, deine Standfläche, deine Atmung
  • Stelle dir vor, dass du von der Weisheit deiner Vorfahren getragen wirst – ohne Gedanken oder Bilder dazu.

 

Nimm wahr, welche Qualitäten du von ihnen innerlich spürst: Stärke, Ruhe, Klarheit.

2. Transformieren mit Feuer  – Körperliches Feuer-Ritual
  • Setze dich bequem hin oder stehe.
  • Reibe die Hände kräftig aneinander, bis Wärme entsteht.
  • Lege die warmen Hände auf den Herzraum.
  • Atme tief aus, während du innerlich alles, was du loslassen willst, symbolisch in die Wärme des Feuers übergibst.

 

Spüre bewusst, was sich im Körper zeigt: Entspannung, Herzöffnung, Aufregung, Freude.

3. Masken – Innenschau und Teil der Zwischenwelt
  • Lege für einen Augenblick die Hände wie eine Maske über Gesicht und Kopf.
  • Ist es ein Schutz oder bringt es dich in eine andere Welt?
  • Beobachte und lass dich Teilhaben.
  • Respektvoll und Offen

 

Öffne dich für den Übergang der Zwischenwelt.

Ein Beitrag von:
Claudia Jacobs

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